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Uki Goñi

ARGENTINISCHES TAGEBLATT
Sonnabend, 24. Mai 2003

Kein Licht ins Dunkel
Neues Datenmaterial soll Rolle Argentiniens bezüglich der Nazis erhellen
Von Francisca Zecher

Buenos Aires - Dass viele Nazis nach 1945 aus Deutschlandnach Argentinien geflohen sind, um den ihnen drohenden Prozessen zu entgehen, ist nichts Neues. Und auch die Frage nach der Rolle der Regierung Peróns ist schonoftmals gestellt worden. Umso größer war die Spannung, als das Goethe-Institut Buenos Aires zur Diskussionsrunde mit dem argentinischen Journalisten Uki Goñi, der politischen Beobachterin Carlota Jäkisch und der Historikerin Beatriz Gurevich lud. Dort wollte Uki Goñi seine neue These, die erbereits in seinem jüngsten Buchâ "La auténtica Odessa" aufgestellthat, diskutieren. Dabei geht es ihmin erster Linie um die Frage, wases mit dem Land Argentinien aufsich hat, dass es die Nazis anzogwie die Motten das Licht.

Für Goñi spielt dabei vor allemder Umgang der Argentinier mit heiklen Themen eine Rolle. Dieshabe sich, so der Journalist, auchsehr deutlich an der Tabu-Haltungder Bevölkerung und vor allem der argentinischen Regierungen gegenüber der Militärdiktatur gezeigt. Um den Mechanismus zu erklÄren, warum Argentinien sichden Nazis gegenüber so offen verhalten hat, stützt sich Goñi auf unveröffentlichte Archive der Vereinigten Staaten und Interviewsmit involvierten Personen. Wiedieser Mechanismus im einzelnen funktioniert, das verriet er dem Publikum im Goethe-Institut aller-dings nicht. So müssen Interessierte wohl zu seinem Buch greifen,wollen sie dieser sowohl neuen alsauch interessanten These näher aufden Grund gehen.

Was die Gründe betrifft, dasskriminelle Nationalsozialisten mitbesonderer Vorliebe nach Argentinien geflüchtet sind, so unterstüzt die Soziologin und politischeBeobachterin Carlota Jäkisch Goñis These insoweit, als dass siezustimmt, dass die Regierung Perón nichts dagegen unternommen habe: "Was Perón nicht geschadet hat, das war ihm egal. Deswegen war er aber noch lange keinFreund der Nazis, wie oft behauptet wird. Er war kein Feind von denDeutschen, aber dem System desitalienischen Faschismus stand erviel näher als dem deutschen Natio-nalsozialismus." Dennoch siehtsie den Hauptgrund dafür, dass soviele Nazis in das lateinamerikanische Land geflüchtet sind, woanders: "In Argentinien gab es eineriesige deutsche Gemeinschaft. Und ein relativ größer Teil dieser Gemeinschaft war von Hitler gleichgeschaltet und dementsprechend nazifreundlich. Hier konnten sich die Nazis also ohne Probleme untermischen." Warum in anderen Ländern wie zum Beispiel Chile oder Paraguay der Umgangmit den Nazis viel weniger Themawar und ist, obwohl es dort auchdeutsche Gemeinschaften gab, erklärt Jäkisch damit, dass es dorteinfach weniger Deutsche als in Argentinien gab.

Daneben diskutierten die Teilnehmer der Runde unter anderemdie mehr oder minder bekannten Verwicklungen des Vatikans unddes Roten Kreuzes. So gibt es eine Zahl von Dokumenten, die belegen, dass die beiden Institutionendie "ausreisewilligen" Nationalsozialisten auf ihrem Weg in die neueHeimat unterstützten.

Mit alten Mythen, die kursieren, wie zum Beispiel der Geschichte von Hitler in Patagonien, konnte das neu angeführte Aktenmaterial allerdings nicht aufräumen. Und so wird wohl noch lange weiterspekuliert...

Argentinisches Tageblatt - 24.05.2003


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